Veränderte Vorzeichen

| | Kommentare (0) | TrackBacks (0)

Ich glaube, jeder erinnert sich noch gut an seinen Berufseinstieg. Man war aufgeregt und fragte sich, was da alles auf einen zukommen würde. Es war eine schöne Aufregung. Alles schien möglich.

Immer häufiger merken wir in Gesprächen mit Berufseinsteigern, dass sich das Lebensgefühl von Studierenden und Absolventen grundlegend geändert hat. Auch ihre Sicht auf das Berufsleben und ihre Erwartungen an Unternehmen ist anders als noch vor einigen Jahren. Während früher in den TopTen der Arbeitgeberattraktivität Verdienst- und Karrierechancen ganz oben standen, nehmen heute Arbeitsplatzsicherheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der individuelle Gestaltungsfreiraum die obersten Plätze ein.

Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise scheint das nicht verwunderlich. Die Krise geht wieder, aber Faktoren wie Digitalisierung, Globalisierung und eine generelle Prekarisierung werden bleiben.

Als Arbeitgeber fragen wir uns natürlich: Was genau erwarten Absolventen von uns heute und in der Zukunft? Was erwarten wir, und wie können wir alte und neue Sichtweisen miteinander vereinbaren? Genau diese Themen möchten wir mit euch hier und demnächst mit Studierenden im Rahmen einer Veranstaltung bei uns im Hause diskutieren. Die Ankündigung dazu folgt demnächst.

Unsere Kollegin Anja Waltemate hat einen Text geschrieben, der das Lebensgefühl ihrer Generation, wie ich finde, sehr gut vermittelt:

Wir vertrauen einem Urteil über ein Produkt von zwanzig wildfremden Menschen mehr als dem unserer Eltern. Wir sind Twitter, wir sind Facebook, wir sind online. Wir skypen, chatten und posten und retweeten. Wir mögen gute virale Kampagnen. Wir teilen alles mit der Welt, was uns über den Weg läuft.

Uns lassen Krisen kalt, weil ja doch irgendwie alles heute eine Krise ist und wenn nicht, wird es doch so genannt, weil das heute so ist. Ja genau, die Zeit der namenlosen Generation ist vorbei und wir sind wieder da. Alle schreiben sie darüber und es stimmt. Generation Krisenkinder, Generation Facebook, die Generation die alles will und sich aus Neuem und Altem nur das Beste aussucht. Heirat in weiß, Bungeejump in Asien mit Fotobeweis im Lieblingsonlinenetzwerk.

Ich denke, mein Leben sei langweilig, weil ich keine persönliche Krise habe. Ich denke solange darüber nach bis ich es doch soweit bringe, die Gedankenkrise. Zerdenken und alles wieder zusammensetzen, sodass es wieder das Mosaik in schillernden Farben wird, das sich Leben nennt. Da liegt's, es ist hübsch und strahlt Dich an. Du setzt die Sonnenbrille auf, weil es Dich blendet und Du keine Lust hast Dich verblenden zu lassen. Es zieht vorbei, es kommen neue Möglichkeiten, Du suchst aus, weil Du die Freiheit hast nein zu sagen.

Bist Du das, was Du sein willst? Was willst Du wirklich? Du willst was bewegen, besonders sein, mehr sein als andere. Wechsel, sich neu erfinden, nicht stehenbleiben. Innehalten beruhigt. Zu ruhig, Unruhe, aber Dir gefällt wie Du lebst und Du willst weitermachen, denn irgendwann wird es da sein, dass Gefühl angekommen zu sein. Du bist gut, wirst weiterkommen. Das sagen Deine Referenzen. Es gefällt Dir, was Du siehst, aus der Distanz. Du hast gelernt es alles objektiv zu betrachten. Sich in Momenten verlieren, wie geht das, wenn ich neben mir stehe und darauf warte? Was fehlt, wenn alles gut ist, gut läuft und alles gut wird?

0 TrackBacks

Folgende Einträge anderer Blogs beziehen sich auf den Eintrag Veränderte Vorzeichen

TrackBack-URL dieses Eintrags: http://blog.sinnerschrader.de/mt/mt-tb.cgi/3231

Jetzt kommentieren


Geben Sie die Zeichen ein, die Sie im obigen Bild sehen.

Blogroll